Aston Martin DBS Superleggera
Aston Martin

DBS Superleggera

Aston Martin DBS Superleggera: Der Brutalo im maßgeschneiderten Anzug

Im Lexikon von Aston Martin tragen bestimmte Namen enormes historisches Gewicht. „DBS” wurde historisch für den absoluten Gipfel ihrer Serien-Grand-Tourer reserviert – die Autos, die die meiste Leistung, die meiste Aggressivität und die dramatischste Präsenz bieten. „Superleggera” (superleicht) ist eine Hommage an den legendären italienischen Karosseriebauer Carrozzeria Touring, dessen Leichtbautechniken den ikonischen DB4 und DB5 der 1960er Jahre mitprägten.

Als Aston Martin 2018 diese beiden historischen Namensschilder kombinierte, um den ausscheidenden Vanquish S zu ersetzen, war die Erwartung ein Fahrzeug mit monumentalen Fähigkeiten. Der Aston Martin DBS Superleggera erfüllte dieses Versprechen mit erschreckender Autorität.

Es ist ein Auto extremer Gegensätze. Es besitzt einen verheerenden, fast gewaltsamen Antriebsstrang, der seine Hinterräder bei Autobahngeschwindigkeiten überfordern kann, und wickelt dabei diese mechanische Raserei in eine wunderschön skulpturale, kohlenstofffaserverstärkte Karosserie, die unbestreitbar elegant ist. Es ist der Inbegriff des modernen britischen Kraftbolzens.

Das Erbe des DBS-Namens

Die DBS-Bezeichnung trägt in der Geschichte von Aston Martin besonderes Gewicht. Der ursprüngliche DBS wurde 1967 als ein breiterer, schwererer DB6 eingeführt, um den V8-Motor aufzunehmen, der 1969 als DBS V8 eintreffen würde. Dieses Auto – massiv, leistungsstark und bewusst amerikanisch-marktorientiert – würde sich in den legendären V8 Vantage der 1970er und 80er Jahre und das bullische Auto entwickeln, das Victor Gauntlett bei Le Mans einsetzte.

Der DBS-Name wurde 2007 für das Auto wiederbelebt, das in Daniel Craigs erstem Bond-Film Casino Royale zu sehen war. Dieser DBS war im Wesentlichen ein überarbeiteter DB9 mit breiterer Karosserie und straffer abgestimmtem Fahrwerk. Er war ausgezeichnet, aber nicht transformativ.

Der DBS Superleggera von 2018 war transformativ. Er erschien mit der ausdrücklichen Absicht, über dem DB11 V12 zu sitzen und eine neue Leistungsobergrenze für Aston Martins Frontmotor-Baureihe zu etablieren – ein Super-GT im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Herz: 900 Nm V12-Furor

Das definierende Merkmal des DBS Superleggera ist nicht seine Höchstgeschwindigkeit oder seine 0-100-km/h-Zeit; es ist die schiere, überwältigende Kraft seines mittleren Drehmoments.

Unter der massiven Klappe verbirgt sich Aston Martins intern entwickelter 5,2-Liter-Biturbo-V12. Dieser Motor ist eine Weiterentwicklung des Aggregats aus dem DB11, wurde aber für den DBS einer massiven Software-Neukalibrierung und erhöhtem Ladedruck unterzogen.

Die Ausgangsleistung beträgt 725 PS bei 6.500 U/min. Die kritischste Zahl ist jedoch das Drehmoment: erschütternde 900 Nm, auf einem völlig flachen Plateau von 1.800 U/min bis 5.000 U/min verfügbar.

So viel Drehmoment stellt eine erhebliche technische Herausforderung dar. Würde der Motor 900 Nm in der ersten oder zweiten Gangstufe an die Hinterräder liefern, würde das Auto einfach seine Reifen verdampfen und vollständig unfahrbar sein. Um dies zu lösen, setzt Aston Martin auf ausgefeilte Drehmomentkurvenformung. Das Motorsteuergerät begrenzt die Drehmomentzufuhr in den unteren Gängen künstlich und gibt die vollen 900 Nm erst im dritten Gang und bei höheren Geschwindigkeiten sukzessive frei.

Das Ergebnis ist ein Auto, das sich vom Start weg schnell anfühlt (0-100 km/h in 3,4 Sekunden), aber beim Beschleunigen von 80 auf 160 km/h absolut verheerend wirkt. Es besitzt „Roll-on”-Beschleunigung, die dedizierten Hypercars Konkurrenz macht und auf einer unerbittlichen Welle biturboaufgeladenen Schubs vorwärtssurgt.

Der V12 gegenüber der Konkurrenz

Zum Zeitpunkt des Starts des DBS Superleggera 2018 waren seine engsten Rivalen der Ferrari 812 Superfast, der Bentley Continental Supersports und der Lamborghini Aventador S. Der natürlich gesaugte V12 des Ferrari war klanglich zweifellos theatralischer; der W12 des Bentley bot unübertroffene Verfeinerung; das Mittelmotorlayout des Lamborghini bot überlegene Dynamik.

Der DBS Superleggera nahm seinen eigenen Raum ein: Er war leistungsstärker und drehmomentstärker als der Bentley, komfortabler und praktischer als der Lamborghini und besaß einen unverwechselbar britischen Charakter, den weder der Ferrari noch die italienischen Autos replizieren konnten. Der 900-Nm-Wert übertraf damals all diese Rivalen – eine Tatsache, auf die Aston Martin gerne hinwies.

Die ZF-Transaxle und Carbon-Kardanwelle

Um diese immense Rotationskraft zu bewältigen, musste Aston Martin den Antriebsstrang erheblich aufrüsten. Sie wandten sich an Getriebesspezialisten ZF und nutzten eine verstärkte Version ihres allgegenwärtigen 8-Gang-Automatikgetriebes.

Entscheidend ist, dass dieses Getriebe am Heck des Autos montiert ist (Transaxle-Anordnung), um die Gewichtsverteilung zu optimieren (nahezu perfekte 51:49 Vorder-/Hinterachsverteilung). Die leichte Carbon-Kardanwelle verbindet den frontmontierten V12 mit dem heckmontieren Transaxle in einem Aluminium-Drehmomentenrohr. Diese Anordnung bietet die strukturelle Steifigkeit, die erforderlich ist, um zu verhindern, dass das massive Drehmoment das Fahrwerk verwindet, und hält dabei das Gewicht auf ein Minimum.

Carbon-Skulptur und Aerodynamik

Das „Superleggera”-Abzeichen ist nicht rein Marketing. Während das zugrundeliegende Strangpressaluminiumchassis mit dem DB11 geteilt wird, ist die gesamte Außenhülle des DBS aus Carbon gefertigt. Die massive Motorhaube, das Dach, die Türen und die breiten hinteren Kotflügel sind alle aus Verbundwerkstoffen gebacken.

Dies senkt das Trockengewicht des DBS auf etwa 1.693 kg – eine bemerkenswerte Leistung für einen massiven V12-Grand-Tourer, was ihn 72 kg leichter macht als den DB11 V12.

Die Carbon-Karosserie wird stark durch Aerodynamik bestimmt. Der DBS verfügt über einen massiven, weit aufklaffenden Frontkühler zur Versorgung der Ladeluftkühler und des Kühlers. Hinter den Vorderrädern befinden sich tiefe „Curlicue”-Lüftungsöffnungen, die Hochdruckluft aus den Radkästen abziehen, um den Auftrieb zu reduzieren.

Am Heck nutzt der DBS das brillante Aeroblade-II-System. Luft wird durch Einlässe geleitet, die in den C-Säulen verborgen sind, fließt durch das Karosserieinnere und wird durch einen Schlitz im hinteren Kofferraumdeckel nach oben ausgeblasen. Dies schafft einen „virtuellen Spoiler” aus Hochdruckluft. Kombiniert mit einem subtilen Carbon-Lippen-Spoiler (ein echter physischer Flügel würde die Ästhetik ruinieren) und einem unglaublich tiefen Doppeldiffusor erzeugt der DBS bei seiner V-Max von 340 km/h einen massiven Abtrieb von 180 kg – der höchste Abtrieb eines Serienproduktions-Aston Martins zum Zeitpunkt seiner Markteinführung.

Die Ingenieurskunst der Zurückhaltung

Was die Aerodynamik des DBS Superleggera besonders beeindruckend macht, sind nicht die reinen Zahlen, sondern die Methode. Abtrieb durch versteckte innere Kanäle und virtuelle Spoiler zu managen, anstatt durch offensichtliche Flügel und Splitter, erfordert mehr Engineering-Arbeit, nicht weniger. Das Aeroblade-System erforderte umfangreiche Strömungssimulationen und Windkanalzeit zur Entwicklung. Die Entscheidung, unsichtbare Aerodynamik statt der dramatischer wirkenden Alternative zu verfolgen, spiegelt Aston Martins Kern-Designphilosophie wider: dass die eleganteste Lösung immer die ausgefeilteste ist.

Eine V12-Symphonie

Ein entscheidendes Element des Aston-Martin-Erlebnisses ist der Klang, und der DBS Superleggera exzelliert in dieser Hinsicht. Trotz der Turbolader (die inherent den Abgasklang dämpfen) entwickelte Aston Martin ein maßgefertigtes Abgassystem mit aktiven Bypass-Ventilen und Vier-Auspuffrohren.

Im „GT”-Modus ist das Auto relativ gedämpft und raffiniert. Aber schaltet man auf „Sport” oder „Sport Plus”, öffnen sich die Ventile. Die Abgasnote ist ein tiefes, zorniges, mehrschichtiges Röhren, das im Schubbetrieb gewaltsam knistert und ploppt. Es fehlt das hochfrequente Kreischen eines Ferrari-V12 und wählt stattdessen ein baritonales, muskulöses Brüllen, das perfekt zum brutalen Charakter des Autos passt.

Sondereditions und der DBS 59

Aston Martins Tradition von Sondermodellen fand beim DBS Superleggera fruchtbaren Boden. Zu den bemerkenswertesten zählte der DBS 59, eine Hommage an Aston Martins 1-2-3-Finish bei Le Mans 1959. Auf 24 Autos limitiert (entsprechend den 24 Stunden), verfügte er über einzigartigen Sterling-Silber-Metallic-Lack mit kontrastierenden Goldakzenten, die das unverwechselbare Livree der DBR1-Rennautos zitierten. Die Anzahl der gebauten Autos wurde so gewählt, dass sie die berühmte Le-Mans-Renndistanz widerspiegelt – ein Detail, das Enthusiasten begeisterte.

Zu weiteren bemerkenswerten Sondermodellen gehörte die DBS Superleggera Concorde Edition, die das ikonische britisch-französische Überschallverkehrsflugzeug feierte, mit einer maßgefertigten Farbe, inspiriert von Concordes Lackierung, und Carbon-Bauteilen aus der Luft- und Raumfahrttechnologie.

Der Innenraum: Gewaltige Maschine, zivilisierte Kabine

Steigt man in den DBS Superleggera ein, begegnet man einem bewussten Paradox. Die Kabine ist ein Ort außerordentlichen Luxus – gewaltige Mengen handgenähten Bridge-of-Weir-Leders, perfekt gewichtete taktile Bedienelemente, ein Paar tief gepolsterter Sportsitze, die den Fahrer bei harten Kurvenfahrten sicher halten, während sie für Langstreckenreisen bequem bleiben.

Der Kontrast zwischen der Verfeinerung der Kabine und der mechanischen Wildheit unter der Motorhaube ist genau der Punkt. Der DBS Superleggera ist kein Rennwagen, der vorgibt, zivilisiert zu sein; er ist wirklich beides gleichzeitig. Eine entspannte Sonntagsfahrt kann nach Belieben zu einer atemberaubenden Performance werden und dann wieder zu würdigem Cruisen zurückkehren. Diese Dualität ist das Wesen des Super-GT-Konzepts.

Der ultimative Super-GT

Der DBS Superleggera ist kein empfindlicher, messerscharfer Rennwagen wie ein Porsche GT3. Er ist ein Super-GT – ein Auto, das darauf ausgelegt ist, in absolutem Luxus bei immensen Geschwindigkeiten Kontinente zu überqueren, während es gleichzeitig genug rohe Kraft besitzt, um den Fahrer zu erschrecken, wenn die Straße sich öffnet.

Er ist eine Feier des Überflusses: ein massiver V12, Carbon-Karosserie und mehr Drehmoment, als irgendjemand vernünftigerweise benötigen könnte. Der DBS Superleggera repräsentiert den Gipfel von Aston Martins traditioneller Frontmotor-, Hinterradantrieb-Philosophie, bevor die Marke ihren unvermeidlichen Schwenk zu Mittelmotorplattformen und Elektrifizierung vollzog.

Als letzter wirklich dominanter Ausdruck der klassischen Aston-Martin-Formel – natürlich weiterentwickelt, nicht neu erfunden – wird er wahrscheinlich als der letzte Höchststand einer glorreichen Ära in Erinnerung bleiben.